Fr 16 Sep

10:30

Material Cultures, London

Constructive Land

Material Cultures ist eine gemeinnützige Organisation, die Entwurf, Forschung und Maßnahmen für eine postkarbone Umwelt zusammenführt. Wir arbeiten an der Schnittstelle von architektonischem Design, Ingenieurwesen, Systemdenken, digitalen Technologien und Materialwissenschaften. Wir möchten unsere Erfahrungen mit der Etablierung eines experimentellen Studios teilen, das sowohl in der Praxis als auch im akademischen Bereich tätig ist. Zu diesem Zweck werden wir unsere Arbeit im Bereich der Neubauprojekte ausweiten, die Machbarkeit bioregionaler Produktion erforschen und die Art und Weise, wie wir experimentelle, kollaborative Design- und Baustrukturen errichten, erweitern, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf unserem laufenden Forschungsprojekt Constructive Land liegt.

Die britische Landschaft wird von einer Vielzahl von Akteuren genutzt, von denen viele, wie z.B. die Land- und Forstwirtschaft in einem direktem Interessenskonflikt miteinander stehen. Gescheiterte wirtschaftliche Initiativen und agrarpolitische Maßnahmen haben die Umweltzerstörung, die wachsende soziale Ungleichheit und konkurrierende Auffassungen von Land und dessen Nutzung befördert. Die Zukunft einer dekarbonisierten Umwelt hängt nun davon ab, dass bisher getrennte Branchen und scheinbar widersprüchliche Agenden zusammenarbeiten, um einen systemischen Wandel zu ermöglichen.

Die Entwicklung von Strategien und Technologien, die die Bereitstellung und Produktion von biobasierten Baumaterialien ermöglichen, erfordert eine neue Konzeption der Landnutzung in großem Maßstab. Unser Forschungsprojekt Constructive Land spekuliert über ein zukünftiges Landnutzungsmodell, das nicht mehr auf einen risikoscheuen Markt beschränkt ist, welcher von einer auf fossile Brennstoffe ausgerichteten Wirtschaft bestimmt wird. Constructive Land schlägt eine mosaikartige Alternative zur Landschaftsbewirtschaftung vor, bei der Ackerland mit Kurzumtriebsplantagen, Nieder- und Laubwäldern verwoben wird. Mit dieser Vision im Hinterkopf werden wir die standardisierten Formen von Bauholz durch die Herstellung von prototypischen und experimentellen Strukturen, die im Sommer 2022 gebaut werden, neu bewerten und in Frage stellen; wir werden aus den Materialien unserer heutigen Wälder schöpfen und Überlegungen anstellen, welche Materialien in den kommenden Jahrzehnten in unseren Landschaften angebaut werden könnten.

Indem wir das Wesen eines „produktiven“ Waldes hinterfragen, untersuchen wir die verschiedenen Vorteile und Ergebnisse der Waldbewirtschaftung, von der Klimaresistenz bis hin zu erhöhter biologischer Vielfalt und Kohlenstoffbindung. Produktive Wälder haben das Potenzial, innovative und kohlenstoffarme Materialien zu liefern, die die gebaute Umwelt verändern könnten, während regionale Lieferketten im ganzen Land geschaffen werden. Die Neukalibrierung unserer Landschaften, weg von extraktiven Praktiken, hin zu einem neuen Modell der regenerativen Landbewirtschaftung, das regenerative Ressourcen fördert, bietet einen untersuchenswerten Anlass für Bauinnovationen. Sie eröffnet die Möglichkeit, die Spannungen zwischen Landnutzung, Landökonomie und dem Bedarf an neuem Wohnraum in Einklang zu bringen.

Auf der Grundlage dieser laufenden Forschungsarbeiten, die im Rahmen des SOM European Research Prize 2021 zusammen mit MArch-Studenten der University of the Arts London durchgeführt wurden, wird diese Arbeit auch die regulatorischen, industriellen und kulturellen Grenzen des Wandels in der gebauten Umwelt, der Forst- und Landwirtschaft untersuchen und versuchen, diese unterschiedlichen Branchen in einem Dialog miteinander zu verbinden. Das Bauen selbst dient als Studienobjekt: Die Strukturen werden in Zusammenarbeit mit unseren 30 MArch-Studenten über einen Zeitraum von sieben Wochen in diesem Sommer entwickelt und entworfen. Unsere Forschung wird die Möglichkeiten aufzeigen, die sich aus einem ökologischeren Ansatz bei der Herstellung von Materialien, die wir in der gebauten Umwelt verwenden, ergeben und Annahmen über die tiefgreifenden Auswirkungen dieser Herangehensweise auf unsere Baupraxis treffen.

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© Material Cultures

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Summer Islam

Summer Islam ist Gründungsdirektorin von Material Cultures, einer gemeinnützigen Organisation, die Design, Forschung und Maßnahmen für eine kohlenstoffarme gebaute Umwelt zusammenbringt. Summer leitet den Kurs „Construction in Detail“ im MArch-Studiengang der Abteilung Spatial Studies am Central Saint Martins, University of the Arts London, mit. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der ganzheitlichen Integration von Systemdenken, Bautechnologien und Design. Sie hat auch am Bartlett, University College London, der London Metropolitan University, der Architectural Association und der University of Cambridge unterrichtet. Zuvor war sie Mitarbeiterin des preisgekrönten Designbüros 6a architects und gründete 2014 zusammen mit George Massoud das Designbüro Studio Abroad.